Creator versus Influencer

Seit einigen Jahren wollen sich viele Influencer nicht mehr als solche ansprechen lassen. Einerseits, weil die Branche inzwischen viele schwarze Schafe wie z.B. Fake-Influencer beherbergt und das Image der Influencer-Branche dadurch leidet. Andererseits, weil „to influence„, also die Beeinflussung, nicht unbedingt positiv konnotiert ist. Hier ist allerdings zu sagen, dass Marketing die Aufgabe hat, den Kauf zu beeinflussen. Man könnte es also auch anders betrachten und als “sehr ehrlich” interpretieren.
Sich jetzt einfach vom Influencer zum Creator umzubenennen und dann zu meinen, man sei anders, reicht allerdings nicht. Auch wenn Influencer wie Creator Content erstellen und Creator wie Influencer auch Menschen beeinflussen, so gibt es einen Unterschied zwischen Creators & Influencern.

Wer ist ein Influencer?

Meine Lieblingsdefinition von einem Influencer ist folgende von Deges:

„Als Influencer (engl. to influence, bedeutet: beeinflussen, einwirken, prägen) werden Personen bezeichnet, die aus eigenem Antrieb Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) zu einem Themengebiet in hoher und regelmäßiger Frequenz veröffentlichen und damit eine soziale Interaktion initiieren.“

Deges

Wichtig bei Influencern ist, dass es um eine soziale Interaktion geht, welche weiters zu einer Aktion vom Nutzer führen soll. Es geht darum, in einem aktiven sozialen Netzwerk viele Interaktionen zu generieren und dazwischen Werbung zu platzieren, um das Markenbewusstsein beim Kunden zu steigern oder sie zum Kauf zu bewegen. Das Ziel ist die Beeinflussung. Was hier wichtig ist: Influencer fokussieren sich zumeist auf Marken, Werbung und darauf, ein gewisses authentisches Image ihrer selbst im sozialen Netzwerk zu präsentieren.

Influencer sind z.B. Novalanalove, Lisa & Lena, Lisa Marie Schiffner, etc.

Wer ist ein Creator?

Ein Creator produziert Inhalte genauso wie ein Influencer. Oft wird der Begriff Creator mit vor allem kreativen und originären Inhalten verbunden. Der Creator zielt nicht unbedingt auf viel Reichweite oder Interaktion ab. Es geht vor allem um die Inhalte selbst. Und diese werden für die eigenen Projekte erstellt, genauso wie für andere Projekte / Unternehmen.

Ein Beispiel für eine Creator, die ich liebe, ist “Yoga with Adriene”. Die wohl berühmteste Yogalehrerin auf YouTube macht richtig tollen Content. Ihre Plattform “Find what feels good” macht btw richtig Spaß. 😉

Was hier noch wichtig zu erwähnen ist: Eine der wichtigsten digitalen Trends 2022 ist die sogenannte Creator Economy. Das bedeutet nicht nur, dass Influencer neue Unternehmen gründen, wie Modemarken, Beratungsunternehmen, etc., sondern auch, dass Creators aus ihren Inhalten ebenfalls ein eigenes Business kreieren, oder diese in Zukunft unabhängiger führen können. Daher ihre Abhängigkeit von Werbeeinschaltungen von Creators immer geringer wird und somit das eigene Medium immer größer wird. Das kann natürlich nicht nur ein Influencer so gestalten, sondern jeder, der interessante Inhalte – in welcher Form auch immer – online zur Verfügung stellt. Mehr Möglichkeiten, wie die Creator Economy aussieht, findest du bald in einem neuen Artikel. Wenn du das nicht verpassen möchtest, abonniere meinen Newsletter.

Fazit: Die Begriffe gehen zwar ineinander über, sollten aber auch unterschieden werden. Schließlich ist das Ziel nicht ganz gleich.

So erkennst du Fake Influencer

Wie in jedem Business, gibt es auch im Influencer-Business schwarze Schafe. In anderen Business-Bereichen erkennt man schwarze Schafe oft erst spät. Im Influencer-Marketing kann man allerdings schon bei der Recherche und Auswahl passender Influencer, die Qualität ihrer Follower & deren Interaktionen vorab mit kostenlosen Tools überprüfen. Nicht immer sind die Ergebnisse klar zu lesen, aber man kann sich relativ gut eine Meinung über die Taktiken bilden und an der richtigen Stelle nachhaken. Obwohl es diese einfachen Methoden der Analyse gibt, kann ich oft beobachten, wie auch große Unternehmen mit gefakten Accounts arbeiten. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich. Welche Dinge mir in den Analysen aufgefallen sind und wie du Fake-Influencer leicht erkennen kannst, zeige ich dir in diesem Artikel.

Wie faked man seine Reichweite und Interaktion auf Instagram?

Ganz einfach: man kauft sie. Es gibt viele Seiten im Internet, die Follower und Interaktion anbieten, mit denen du plötzlich von 0 auf 10.000 Follower kommen kannst. Neben diesem klassischen Follower-Einmalkauf, bieten die Seiten auch andere Formen von “Fakes” an:

  • X Follower Einzelkauf
  • X Follower pro Monat 
  • Interaktion 
  • Kommentare (die anhand einer Liste randomisiert werden – dank KI)
  • Shoutouts von anderen Fake-Influencern

Das klingt für dich verrückt? Ist es auch. Das Glück ist, dass die Fake-Influencer, die das tun, meistens ein großes Ego haben und nicht mit Bescheidenheit glänzen. Das heißt: Der Follower-Kauf ist sprunghaft oder die Interaktionsrate ist so gut, dass sie im Vergleich zu anderen Accounts mit ähnlichen Inhalten unglaubwürdig wird.

Das sind die typischen Merkmale von Fake-Influencer-Accounts

Wenn ein Influencer (oder auch andere Personen) Follower kauft, gibt es einige typische Merkmale, an denen man diesen Einkauf erkennen kann:

  • Es ist ein plötzlicher Anstieg von Followern zu sehen, der nicht erklärt werden kann
  • Das Wachstum ist stetig und steht nicht wirklich in Relation: 10.000 Follower – 300 neue Follower pro Tag
  • Die Followerzahl fällt plötzlich rasant ab. Das passiert oft, wenn Instagram Fake -Accounts erkennt und diese löscht.
  • Die Followerzahl fällt langsam aber konstant stark ab – der Influencer hat sich entschieden doch “ehrlich zu werden” – zahlt entweder nicht oder löscht die Accounts per Hand
  • Die Kommentare sind sehr repetitiv, oft nichtssagend oder komplett aus dem Kontext gezogen
  • Es gibt viele Likes und kaum Kommentare (Achtung: Das kann auch mit dem Content-Thema zu tun haben)
  • Wenn man Fake Follower im DACH-Raum kauft, sind diese meistens aus Deutschland. Da kann es sein, dass jemand, der eigentlich in Österreich aktiv ist, plötzlich 50% und mehr Follower aus Deutschland hat
  • Grundsätzlich kann man auch Fake-Follower anhand der Nationalität erkennen – am besten immer auswerten. 

In den meisten Fällen wirst du eine Kombination aus diesen Punkten – mindestens 3 – erkennen können. 

Tools, um Influencer quantitativ zu testen

Solltest du einen Verdacht haben, kannst du verschiedene Online-Tools nutzen, um den Account zu testen:

Influencer Test-Tools

  • Phlanx – hat einen kostenlosen Engagement Rate Rechner
  • Hyperauditor – hier kannst du auch kostenlose Tests machen
  • Trendhero – kostenlose Basis-Auswertung, bietet aber hat auch recht kostengünstige Monats-Abos
  • Not just analytics

Es gibt noch viele andere Tools, die man nutzen kann. 

Solltest du ein Tool nutzen, welches hier nicht aufgelistet ist und gut ist: Bitte hinterlasse einen Kommentar, ich ergänze es nach einem kurzen Test gerne. 

3 Influencer-Accounts im Test – ist das Fake?

Bei einer Umfrage auf Instagram habe ich meine Follower gefragt, ob sie mir einige Fake Accounts schicken könnten, um diese bei einem Vortrag zu testen. Nachdem die Auswahl einigermaßen gut war und auch “intelligente Faker” mit dabei waren, möchte ich kurz hier einige Werte und Unstimmigkeiten aufzeigen. Die Namen der Accounts nenne ich nicht. Der vollständigkeitshalber möchte ich aber hier auf die Zielgruppe & das Thema eingehen. Die quantitativen Tests mache ich mit dem Tool: Trendhero.

1.) InfluencerIn – Mamablog

Bei dem ersten Account, der mir empfohlen wurde, geht es um einen Lifestyle Blog für Mütter 35 + mit sehr vielen Produktplatzierungen. Von außen gesehen ein netter Account mit vielen hellen Fotos im Blogger-Style und mit einer sehr breiten Zielgruppe. Der Stil ist zwar etwas veraltet, aber definitiv noch immer ansprechend. Vor allem für einige Unternehmen, da viele Kooperationen umgesetzt werden.
Bei diesem Account musste ich nicht viel nachdenken, weil wir als Agentur vor Jahren diesen Account bereits als Vorschlag eines Kunden bekommen haben und damals auf Anhieb sehen konnten, dass der erste 10.000 Follower-Schritt ein Einmal-Kauf gewesen ist. Trotzdem interessant, sich das nach einiger Zeit erneut anzusehen.

Follower Growth

Auf der linken Seite sieht man einwandfrei, wie das Wachstum sehr “zackig” passiert und teilweise plötzlich 5000 Abonnenten in kürzester Zeit hinzukommen. Das ist eine typische Grafik eines Influencers, der/die sich nach und nach Fake-Follower kauft.

Audience-Type

Hier geht es um die Art von Accounts, die dem/der Influencerin folgen. Das ist natürlich die Annahme des Tools und immer nur im Vergleich zu anderen zu sehen.

Links sieht man, dass eigentlich 55-70% der Follower nicht real sind. Wichtig anzumerken: Fast jeder Account und jeder Follower hat ca. 20% „Mass Followers“, ohne dessen Zutun.

Rechts sieht man die Likers. Ca. 56% der Likes scheinen echt (real) zu sein. Die unten stehende Anzahl an interagierenden Influencern von 6,18% könnten auch daher rühren, dass sich einige davon in Engagement-Gruppen zusammengeschlossen haben und gegenseitig ihre Posts liken, um die Reichweiten zu steigern. Was in Ordnung ist, wenn es dabei nur darum geht, den Algorithmus der Plattform zu schlagen und nicht am Ende die Kommentare / Likes auch als “Erfolge” ausgewertet werden. 

Interaktionsrate

Die Interaktionsrate mit 7,36% ist um 5 Prozentpunkte höher als bei ähnlichen Accounts. Das ist auffallend und ein Grund, sich die Follower ganz genau anzusehen. Dabei fängt man am besten damit an, die letzten 20 Posts genauer zu analysieren, die Liker & Kommentatoren auszuwerten und zu schauen, was denn wirklich echt sein kann.
Vom Tool selbst wird der Account als schlecht bewertet.

Follower-Herkunft

In diesem Abschnitt geht es darum, woher die Follower kommen. 

In diesem Fall sind es mehr als 60% die aus Deutschland kommen – Österreich und Brasilien sind fast gleich. Wer hier für den österreichischen Markt werben möchte, ist auf jeden Fall an der ganz falschen Adresse.

Fazit: Auch wenn ich nicht schon durch die Agentur-Tätigkeiten von ein paar Jahren wüsste, dass hier Follower gekauft wurden, würde ich mit diesem Account nicht arbeiten. Denn sie ist klar als Fake-Influencerin erkennbar.

2.) Influencerin- Mama-Account

Beim zweiten Account, den ich erhalten habe, geht es auch um einen Mama-Account, der recht ähnliche Fotos postet, wie der vorherige.

Audience Growth

Bei dieser Grafik sieht man gut und schön, wie schnell Follower gekauft wurden und wie sie langsam wieder verschwinden.

Audience Type

Hier ist auffallend, dass die “Suspicious”-Anzahl an Followern sehr groß ist. Das bedeutet, dass die KI des Tools Auffälligkeiten aufzeigt. Ob man sich nach der ersten Grafik überhaupt antun möchte, hier weiter zu analysieren, ist die eigene Entscheidung.

Interaktionsrate

Die Interaktionsrate dieses Accounts ist recht durchschnittlich für die Followeranzahl. Trotzdem wertet das Tool diesen Account aufgrund der geringen Qualität an Followern herunter.

Follower-Herkunft

In dieser Grafik zeigt sich ebenfalls deutlich, dass sehr viele Follower aus Deutschland kommen. Als alleinige Grafik sagt diese nicht viel aus, aber in Kombination mit den anderen Grafiken, würde ich diesen Account als Fake bewerten.

3.) B2B-Account

Ein nächster Account, der mir zugeflüstert wurde, ist ein B2B-Account von jemandem, der in der Immobilienbranche aktiv ist. Der Content ist eher wahllos und nicht wirklich themenbezogen, sondern vielmehr stark personenbezogen. Auf den ersten Blick sieht man bei diesem Account, dass es sich weder um einen Influencer noch einen Creator handelt. Trotzdem finde ich die Grafiken so interessant, dass ich sie mit euch teilen möchte:

Audience Growth

Ein echt gutes Beispiel von einem One-time Follower Buy von 100.000 Followern.

Audience Type

Diese Grafik ist den anderen sehr ähnlich. 

Interaktionsrate

Die Interaktionsrate ist sehr schlecht. Es gibt keinerlei Kommentare unter den Beiträgen. Und so, bewertet auch das Tool diesen Account als “schlecht”.

Follower Herkunft

Wie man sieht, sind die Follower dieses Accounts zumeist aus den USA & Mexiko. 

Eindeutig ein Fake.

Meine Instagram Follower:innen haben da definitiv einige gute Tipps und ein gutes Gespür gehabt. Als Beispiel hier mal, wie eine Kurve normalerweise beim Follower-Wachstum aussieht. Natürlich kann diese auch steiler oder flacher sein, je nach Thema.

Fake und trotzdem arbeiten Unternehmen mit ihnen?

Obwohl es genug Tools gibt, mit denen man Fake-Influencer ausfindig machen kann, arbeiten auch einige große Unternehmen mit „Fakern“ zusammen. Zwar meist nicht sehr lange und nicht in groß budgetierten Kooperationen, aber es macht den Anschein, als seien die Fake-Tatsachen ihnen egal. Was es tatsächlich nicht sein kann. Schließlich ist das Ziel jedes Unternehmens profitabel zu sein und nicht Geld an beliebiger Stelle zu verlieren. In den letzten 10 Jahren, in denen ich in diesem Business arbeite, durfte ich einige Erkenntnisse mitnehmen, warum das so ist. 

Unsere Wunderwuzzi-können-alles-Agentur macht das schon

Viele Unternehmen lagern Influencer-Marketing komplett aus. Weil es oft mühsam ist, eine neue Agentur im System anzulegen, wird mit den bestehenden Agenturen gearbeitet – à la „die machen das schon“. Zwei Gründe habe ich dafür bisher gefunden:

  1. Die Marketingverantwortlichen sind mit dem Arbeitspensum überfordert. Im Marketing kommen ständig neue Themen auf einen zu, die man „ausprobieren sollte. Manche werden damit komplett allein gelassen, bekommen keine Weiterbildungen und werden dann trotzdem an dem gemessen, was sie umgesetzt haben.
    Ist man überfordert und das Budget vorhanden, lagert man die Dinge, die man tun muss womöglich aus. Damit gewinnt aber der/die Marketingverantwortliche nicht mehr Zeit, sondern muss eigentlich noch immer einen Prozess begleiten. Neben allgemeinem Zeitmangel, wird die verbleibende Zeit auf die Dinge aufgeteilt, die erprobt funktionieren – und schon kann es passieren, dass das Influencer-Marketing nicht die Beachtung bekommt, die es benötigt.
  2. Manche Marketingverantwortliche wollen die Verantwortung für ein neues Thema loswerden. Was natürlich mit Punkt 1 zu tun haben kann. Man sucht sich eine Agentur, die das gesamte Projekt umsetzt, um danach nicht „selbst schuld” gewesen zu sein. Anstatt das Thema inhouse zu übernehmen oder nur die wirklich zeitaufwendigen Dinge, die nicht mehr übernommen werden können, auszulagern. 

Influencer – Zusammenarbeit ist ausschließlich PR-Arbeit

Die Zusammenarbeit mit Influencern ist/ kann auch PR-Arbeit sein. Dabei müssen alle Medien geprüft werden. Wird das von einer PR-Agentur nicht gemacht, kommt es womöglich dazu, dass Fake-Influencer bei Events eingeladen sind oder auch zu Kooperationen eingeladen werden. 

Nutzung von Influencer-Plattformen

Influencer-Plattformen an sich sind gut, wenn man einen Plan hat und auch außerhalb der Plattformen aktiv Influencer sucht sowie hier eine eigene Datenbank aufbaut. Ich nutze sie nicht gerne als Basis, sondern nur, wenn ich mal neue Recherchen machen möchte. Meine Kampagnen wickle ich allerdings stets selbst ab. 

Das Problem ist, dass einige Plattformen auch Fake-Influencer behalten, da sie ja vorwiegend viele Nutzer benötigen, um das gegenüber Investoren und Medien kommunizieren zu können.

Fazit: Es ist essentiell hier gut seine Hausaufgaben zu machen und jeden Influencer detailliert zu überprüfen.

Kurzfristige Sicht auf Influencer-Zusammenarbeit

„Wir suchen 100 Influencer und machen eine schnelle Kampagne – nächste Woche“ – so oder so ähnlich tönen manche Anfragen, auch bei mir. Dass ich das nicht anbiete, ist nichts Neues, aber es gibt ganz viele, die das so machen. Das Problem: Vielleicht gibt es die Anzahl gar nicht? Und das zweite Problem: Wie wichtig ist mir bei der Quantität noch die Qualität der Influencer?

Bei der Menge an Accounts dauert die Suche und Überprüfung auch mal etwas länger. 

Budget muss weg – Halleluja

Noch schnell im Dezember das Budget loswerden und “husch, husch” eine Influencer-Kampagne machen. Alle großen Influencer sind schon „overloaded“. Also schnell alles nehmen, was geht, damit man ja nicht weniger Budget im nächsten Jahr bekommt. So läuft das manchmal und am Ende ist nicht nur die Influencer-Auswahl kein Erfolg, sondern folglich auch die Ergebnisse. Und womöglich die Reputation des Influencer Marketings mal wieder im Keller. 

Warum Fake-Influencer-Accounts nicht funktionieren

Die potenzielle Reichweite von Fake Influencern schaut ja toll aus. Vielleicht kaufen sie auch Interaktion zu und so sieht auch die Interaktionsrate (Follower zu Likes/Kommentaren/Speicherungen) womöglich hervorragend aus. Manchmal ja zu gut, wie ich in den Beispielen gezeigt habe.
“Außen Hui, innen Pfui” –  Während die Zahlen beim cleveren Faken stimmen, so wird der gewünschte Output am Ende nicht erreicht. Wenn wir daran denken, dass es bei den meisten Influencer-Kampagnen um Brand Awareness geht, ist das auch nicht sofort erkennbar. War das Ziel ein Kauf, würde man die gefakten Zahlen schnell bemerken.

Deswegen ist es wichtig, bei Unsicherheiten dem Influencer auf den Zahn zu fühlen. Und vor allem zu wissen, dass niemand einfach so 10.000 neue Abonnenten bekommt. Vor allem nicht, wenn dieser bei 0 anfängt. 

Wie kannst du deine Brand davor schützen?

Abgesehen davon, dass du in meinen Augen so und so auf schnelle kurzfristige Kooperationen verzichten solltest, ist es ratsam, wirklich alle Influencer, mit denen du zusammenarbeitest, auch zu prüfen. Vor allem jene, die das Influencern nebenbei machen. Sie neigen nämlich dazu, das ganze mehr als Spiel zu betrachten und nicht als Business. Demnach glauben diese, es sei quasi “egal“, wenn jemand dahinter steigt und sie dann nicht mehr gebucht werden. Auf die “Oldies” im Geschäft” kann man sich meistens verlassen – meistens. Es gibt auch welche, die früher gefaked haben, damit später aber aufhörten. 

Obwohl ich gerne in einer vertrauensvollen Welt auf Augenhöhe mit meinen Mitmenschen lebe, gilt, wie in vielen anderen Bereichen, auch hier: “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser”. Lasse dir vom Influencer alle Insights schicken, prüfe selbst die Zahlen über Tools und frage bei einem persönlichen Gespräch nach, wenn was nicht stimmig ist. Je nachdem, wie viel Budget und Aufwand in der Kampagne steckt, würde ich die Rahmenvereinbarung so schnüren, dass der Influencer zum einen unterschreibt und bestätigt, keine unredlichen Taktiken für die Performance seines Accounts einzusetzen und wenn dies doch der Fall sein sollte, eine Pönale zu zahlen. Ob man das im Praxisfall dann ahndet, ist die eigene Sache. Eigentlich sollte klar sein, dass man, so wie man mit Agenturen arbeitet, auch mit Creators arbeitet. Das Business ist schließlich kein Spiel. 

Rechtlich: Ist das Betrug?

Die Definition von Betrug besagt: „Der Betrugstatbestand erfasst Verhaltensweisen, mit denen jemand einen anderen durch Täuschung dazu bewegt, über eigenes oder fremdes Vermögen zu verfügen und dadurch einen Vermögensschaden zugunsten des Täters oder eines Dritten herbeizuführen.”

Nach dieser Definition lässt es sich wohl als Betrug bewerten, wenn ein Influencer sich auf eine Gegenleistung einlässt. Es ist eine wissende Täuschung des Kooperationspartners, der eindeutig zu einem Vermögensschaden des Unternehmens führt. Wie hoch dieser Vermögensschaden ist, ist natürlich eine andere Frage. Wenn es um ein Shampoo geht, wird der Vermögensschaden des Unternehmens vermutlich nicht die Welt betragen. 

In meinen Augen ist der größte Schaden, den diese Fake-Accounts verursachen, der, dass eine ganze Branche immer wieder unter Verdacht steht zu betrügen. Es schadet einfach allen Creators & Influencern. Deswegen bin ich der Meinung, dass man mehr darüber reden sollte und auch mehr Wege aufzeigen sollte, wie man die schwarzen Schafe im Influencer-Business erkennt.


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Was du von Influnecern für deine Personal Brand lernen kannst

„Wie werde ich Influencer?” Diese Frage stellen sich viele. Oft gepaart mit der fälschlichen Erwartung, ein Influencer würde nur Fotos & Videos hochstellen, um dafür Geld zu bekommen. „Leicht verdientes Geld”, so glauben die, die nicht wissen, wie viel Arbeit wirklich dahinter steht. Die Wahrheit ist, dass Influencer viel Zeit in den Aufbau ihrer Accounts investieren. Teilweise braucht es Jahre bis sie mit ihren Channels Geld verdienen. So braucht der durchschnittliche YouTuber etwa zwei Jahre, um etwas Geld mit dem eigenen Channel zu verdienen. Zwei Jahre Video-Content bedeutet bei zwei Videos pro Woche, 15 Stunden Arbeit pro Video und bei einem Gehalt von 100 Euro pro Stunde, ein Investment von 31.200 Euro. Warum ich das so schreibe? Menschen, die Influencer werden wollen, müssen auf ganz schön viel verzichten, sich dem Thema mit ganzem Herzen widmen und ein hohes Unternehmerrisiko tragen, wie man anhand der Rechnung unschwer erkennen kann. Auch, wenn sie damit oft als Hobby starten, so kostet dieses doch eine Menge Zeit und Energie. Dinge, die du für den Aufbau einer Personal Brand mit einer starken Online-Präsenz auch benötigst. Was du von Influencern noch lernen kannst, beantworte ich dir in diesem Artikel.

Was ist der Unterschied zwischen einem Influencer & einer Personal Brand?

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob jemand, der eine Personal Brand hat, ein Influencer ist oder ein Influencer gleich auch eine starke Personal Brand haben muss. Das ist nicht unbedingt so. Um das genauer zu betrachten, gehen wir einen Schritt zurück und sehen uns die jeweiligen Definitionen an:

Als Influencer (engl. to influence = beeinflussen, einwirken, prägen) werden Personen bezeichnet, die aus eigenem Antrieb Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) zu einem Themengebiet in hoher und regelmäßiger Frequenz veröffentlichen und damit eine soziale Interaktion initiieren. Dies erfolgt über internetbasierte Kommunikationskanäle wie Blogs und soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram, YouTube, Snapchat oder Twitter. Influencer ragen aus der Masse der Social-Media-Nutzer heraus, da sie mit ihrer Tätigkeit hohe Reichweiten erzielen. Wenn solche Personen ausschließlich durch ihre digitale Präsenz Einfluss gewonnen haben, werden sie im engeren Sinn auch als Digital, Social oder Social Media Influencer bezeichnet.
Deges S.

Eine andere Definition besagt:

Influencer sind kreative Individuen, die (1) regelmässig öffentlich zugängliche Inhalte produzieren, die (2) bereit sind, dabei mit Marken zusammenzuarbeiten und (3) deren Inhalte Einfluss auf das Verhalten von Followern haben.
Faltl M.

Im Gegenzug dazu wird Personal Branding unter anderem wie folgt definiert:

Personal Branding ist der fortlaufende Prozess des Schaffens, Aufbauens und
Abgrenzens durch klare Aussagen bzw. ein Bild zeichnen, wer du für andere bist.

LOS ELLIS, 2009

Beide Formen können natürlich in das andere übergehen. Grundsätzlich sind Influencer aber stark auf Social-Media-Channel konzentriert und werden oft durch ihre Reichweite definiert. Im Personal Branding geht es vielmehr um die Definition & Abgrenzung der Person dahinter. Zudem geht es bei Personal Branding um die Positionierung als Expert:in, weil du schon ein Experte bist. Während beim Influencer Marketing die Expertise oft erst während des Channel-Wachstums aufgebaut wird. Bei Personal Branding geht es um die Sichtbarkeit innerhalb deiner Zielgruppe (das erreichst du auch mit wenigen Followern) und weniger darum, andere zu beeinflussen.

Was ist der Unterschied zu Corporate Influencern?

Eine etwas schwierigere Abgrenzung ist die Abgrenzung zu Corporate Influencern. Unter Corporate Influencern werden Mitarbeiter verstanden, welche im Konsens mit dem Unternehmen, über ihre Arbeit und das Unternehmen kommunizieren. Andere Begriffe für “Corporate Influencer”sind: Employer Advocacy oder Interne Markenbotschafter.

Nur, weil ein Mitarbeiter für ein Unternehmen oder ein Thema kommuniziert, kreiert der Mitarbeiter keine Personal Brand. Zu einer Personal Brand gehört mehr als nur die Kommunikation über ein Unternehmen/Thema und es braucht eine klare Ausgestaltung dieser. Das heißt nicht, dass es nicht sinnvoll wäre, für jeden Corporate Influencer eine Personal-Branding-Strategie zu haben, nach der kommuniziert wird.

Was hier klar zum Ausdruck kommt: Während es bei einem Influencer ganz stark um die Außenkommunikation und der Interaktion mit Followern geht, geht es beim Personal Branding vor allem auch um eine klare Definition & Strategie.

Was machen Influencer, das du für deine Personal Brand nutzen solltest?

Influencer sind Gurus in ihren Social-Media-Channels. Sie haben es durch verschiedene Methoden geschafft, online so sichtbar zu werden, dass kaum einer mehr um sie herum kommt. Starke Influencer sind zu beliebigen Themen zu finden, egal wonach du suchst. Social-Media-Plattformen schlagen den Content von Influencern automatisch ähnlichen Zielgruppen vor, nutzen deren Auftritte um ihre Retention zu steigern und erfolgreiche Werbeanzeigen zu platzieren. Sie sind unter anderem der Grund, warum Millionen Menschen auf Social-Media-Plattformen ihre Zeit verbringen und sie können die Meinungen von vielen durch ihre Inhalte beeinflussen.
Außerdem verdienen sie Geld über ihre Kanäle, was auch für dich als selbstständige/r Expertin interessant sein kann. Dazu musst du dich allerdings als Personal Brand in deinem Bereich sichtbarer machen.

Du möchtest mehr Reichweite und mehr Impact haben? Dann solltest du diese 8 Dinge tun:

  1. Konzentriere dich auf deine Nische
    Finde deine Nische und bleibe dabei. Viele hassen dieses “niche down” und wollen sich als “multi-passionate Entrepreneurs” breit aufstellen. Das kenne ich selbst auch. Die Wahrheit ist aber: Um als Expertin wahrgenommen zu werden, musst du dich auf eine Nische konzentrieren. Du kannst diese zu einem späteren Zeitpunkt erweitern, aber erstmal ist es essenziell, dich auf diese zu konzentrieren.
  2. Kenne deine Zielgruppe
    Wenn du die Nische kennst, erkennst du auch deine Zielgruppe. Definiere sie für dich. Du musst keine Personas erstellen (wenn du keine Multimillion-Brand bist, macht das wenig Sinn), aber mache dir ganz klar, für wen du Content produzierst.
  3. Finde Probleme & löse sie
    Wenn du deine Nische mit deiner entsprechenden Zielgruppe kennst, dann findest du auch sicher ihre “pain points”. Finde die Probleme und erstelle die Lösungen dafür.
  4. Regelmäßiger Content mit Plan
    Der Hauptjob eines Influencers ist es, Inhalte zu erstellen und zu teilen. Influencer schaffen es, regelmäßig guten Content zu erstellen – das ist ihr Job. Du musst es nicht so oft machen, aber mache es zu deiner Routine und mit Plan. Sonst endest du über kurz oder lang im Chaos und nichts landet je online. #beentherdonethat
  5. Kommuniziere nicht “nur”, um zu verkaufen
    “Salesy” Content – also Inhalte, bei denen man sofort merkt, dass es nur ums Verkaufen geht, führen zu innerem Widerstand beim Empfänger. Wie meine Lieblings-Minimalisten von “The Minimalists” sagen: „Advertisement sucks”. Ja, verkaufen ist gut, aber sei nicht wie die Frau am Marktstand, die dich verfolgt, damit du eine Kostprobe nimmst und die dir dann gleich die ganze Packung verkaufen möchte.
  6. Netzwerke & kollaboriere mit Expert:innen / Influencern /Journalist:innen & Co
    Wer viele Leute kennt, kann mit vielen Leuten reden. Erweitere dein Netzwerk, lerne neue Leute (online & offline) kennen, verbinde dich mit Influencern, Journalistinnen und Expert:innen aus deinem Bereich. Erfolg liegt immer im “Gemeinsam”.
  7. Bleibe authentisch, auch wenn es dich verunsichert
    Authentisch zu sein, ist nicht immer einfach. Darüber kann fast jede ein Lied singen. Vielleicht war es auch nicht immer gewollt, dass du authentisch bist. Wenn es um deine Personal Brand geht, ist das aber das Wichtigste. Sei authentisch, auch wenn es dich verunsichert. Du bist deine Marke – also sei du selbst.
  8. Achte auf die Daten & handle danach
    Das Schöne daran, wenn man online aktiv ist: Man bekommt viele Daten. Lerne diese zu lesen und handle nach dem, was sie dir sagen. Das hilft dir, deine Reichweite zu vergrößern.

Um das alles zu beherzigen, musst du dich natürlich immer wieder fortbilden. Es reicht nicht, wenn du alte Taktiken in Social-Media nutzt, wenn gerade etwas ganz anderes besser wäre, um deine Ziele zu erreichen. Influencer bilden sich ständig weiter und versuchen das Gelernte sofort einzusetzen. Bilde dich weiter, indem du den Plattformen selber folgst, dir einen Coach suchst oder Kurse zu dem Thema machst. Es ist nicht nur essenziell, dass du deine Nische, Zielgruppe und Community verstehen lernst, sondern auch die Plattformen, über die du versuchst sie zu erreichen. Ganz egal, ob es dabei um Instagram, LinkedIn, YouTube oder ein anderes soziales Netzwerk geht.

Selbständig zu sein ist nicht einfach. Als ich mich selbstständig gemacht habe, wusste ich, dass es nicht einfach werden würde. Es geht darum Fehler zu machen und wieder aufzustehen, Dinge zu machen, die einem liegen, achtsam zu sein und vor allem auch vor lauter Selbstständigkeit nicht sich selbst zu vergessen. In diesem Video zeige ich dir meine persönlich wichtigsten Learnings, die ich selbst heute noch gerne verneine oder verdränge, aber die wirklich wichtig sind, damit du überhaupt den Weg auf die Spitze des Eisbergs gehen kannst.

Wie kannst du Influencer auf Instagram finden? In diesem Video zeige ich dir 3 Tipps wie du Influencer in Instagram recherchieren kannst.

Wer es eigentlich ein Influencer? Eine Frage, die ich sehr oft gestellt bekomme und in diesem YouTube-Video gerne beantworte. Ich erkläre in diesem Video , warum Reichweite nicht unbedingt das essentiellste Thema ist, wenn du einen Influencer für dein Unternehmen auswählst.

Wer ist eigentlich ein:e Influencer:in? Was muss sie:er mitbringen? Und wie wichtig ist eigentlich die Reichweite?